Viele Eltern wissen, dass die frühe Kindheit eine besonders wertvolle Lebensphase ist, die die Grundlage für das spätere Leben bildet. So suchen sie nach Wegen, die ihren Kindern ein schrittweises, kindgemäßes Hineinwachsen in die Erwachsenenwelt ermöglichen.
Die Waldorfpädagogik, die sich auf die Menschenkunde Rudolf Steiners stützt, geht davon aus, dass jeder Mensch mit einem bestimmten Schicksalsauftrag auf die Welt kommt und daß es die Aufgabe von Eltern und Erziehern ist, einem Kinde dazu zu verhelfen, die in ihm liegenden Kräfte und Fähigkeiten so zu entfalten, dass es später seine Lebensaufgaben frei ergreifen kann.
Da das Kind in seinen ersten Lebensjahren die Welt vor allem durch intensive Sinneseindrücke erlebt, wird in der Waldorfpädagogik besonderer Wert auf die Qualität der Sinneseindrücke gelegt.
Bei der Auswahl der Freispielmaterialien wird z.B. darauf geachtet, dass sie aus Naturmaterialien bestehen, die den begreifenden Kinderhänden vielfältige Tasterfahrungen ermöglichen und durch ihre Einfachheit und vielseitige Verwendbarkeit Phantasie und Kreativität herausfordern.
So werden beispielsweise Geschmacks- und Geruchssinn angeregt, indem die Kinder zusammen mit den KindergärtnerInnen ihr Frühstück zubereiten und verzehren. Bewegung, Sprache und Musik sind wesentliche Bestandteile des Kindergartenalltags. So wird dies zum Beispiel in der Kindereurythmie in harmonischer Weise zu einem "seelischen Bewegungsspiel" verbunden.
Ein weiteres wesentliches Element der Waldorfpädagogik im ersten Jahrsiebt ist das nachahmende (nicht das belehrende) Lernen.
Da Kinder in diesem Alter eine bewundernswerte Fähigkeit und Bereitschaft haben, das, was sie sehen und erleben, im nachahmenden Tun zu verarbeiten, liegt die pädagogische Bemühung der ErzieherInnen vor allem darin, ihre eigenen Tätigkeiten so zu gestalten, dass sie das Interesse und die Nachahmungsfreude der Kinder wecken und dann an dem anzuknüpfen, was seinen Niederschlag im nachahmenden Spiel findet.
Als Drittes soll noch die Bedeutung erwähnt werden, die in der Waldorfpädagogik dem Element des Rhythmischen zukommt.
Große und kleine Rhythmen wirken im Menschen und in der Welt. Ihre heilsamen und harmonisierenden Wirkungen werden bewußt in der Gestaltung des Tages-, Wochen- und Jahresablaufes im Waldorfkindergarten eingesetzt.
Höhe- und Orientierungspunkte im Jahreslauf bilden die christlichen Feste: Ostern, Pfingsten, Johanni, Michaeli, das Martins-Laternenfest und das Adventsgärtlein in der Weihnachtszeit. Die Feste zeichnen sich durch besonderen Raumschmuck, festliche Kleidung, besonderes Essen, Lieder und Geschichten aus, so dass sie für die Kinder intensiv miterlebbar werden.
Bei der Vorbereitung der Feste und auch bei allen anderen Angelegenheiten, die den Kindergarten betreffen, wirken die Eltern aktiv und verantwortlich mit. Durch die Mitarbeit in den Gremien sind sie an den Leitungsaufgaben beteiligt, aber auch an der Sorge für die Instandhaltung von Haus und Garten. Elternabende, Elterngespräche und Vorträge sorgen für einen gegenseitigen Austausch zwischen Eltern und PädagogInnen.